Liebe Leserin, lieber Leser,

 

vieles, was in den letzten beiden Jahren anstrengend und belastend war und immer noch ist, schlägt auf die Stimmung. Menschen reagieren häufig nicht gelassen, sind gereizt, unzufrieden auch, schnell gibt ein Wort das andere.

Eltern verzweifeln inzwischen an den Betreuungsperspektiven für ihre Kinder in Kindergarten und Schule. Wie sollen sie beruhigt arbeiten, wenn der Nachwuchs nicht betreut werden kann, weil Fachkräfte fehlen und sich Krankheitsausfälle häufen? In den Kliniken und Praxen auch kein anders Bild, alle sind überlastet, und notwendige Behandlungen müssen wegen personeller Ausfälle verschoben werden. Die Preise im Supermarkt steigen nicht nur für Mehl und Öl, Tanken ist zum Luxus geworden. Baumaterialien fehlen, und Ersatzteile sind Mangelware. Und dann ist da immer noch dieser unsägliche Krieg, und kein Frieden in Sicht. Die Geflüchteten und die, die ausharren, brauchen unsere Hilfe, ganz handgreiflich.

All das ist ermüdend und niederdrückend. Eine Perspektive, ein Wunder wäre toll. Meine Perspektive ist ein Satz von Hilde Domin:

„Nicht müde werden und dem Wunder leise wie einem Vogel die Hand hinhalten.“

Das Wunder habe ich nicht in der Hand, aber ich habe Hände, die ich hinhalten kann. Leise, wie einem Vogel strecke ich sie Gott entgegen im Gebet. In der Stille spüre ich die Kraft, die mich verändern will. Eine Kraft, die das auch kann.

Das Ermüdende ist noch da, aber ich entdecke, dass ich ablegen kann, was mich belastet. Vielleicht nur für einen Moment. Dieses Wunder tut mir gut und gibt mir neue Kraft.

Mich öffnen, aussprechen, fragen, klagen, jammern, hadern, bitten, hoffen, staunen, danken, warten; was ich Gott mit meinen geöffneten Händen im Gebet anvertraue, ist nie gleich. Aber ich habe eine Adresse für meine Sorgen und meine Müdigkeit, ja, eigentlich für alles, was mich bewegt.  

Ihre und Eure Birgit Crone