Liebe Gemeinde

 

„Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tue Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ So lese ich es in Psalm 34,15.

 

Ja, wenn das so einfach wäre, im alltäglichen Miteinander und in der großen Weltpolitik: Das Böse überwinden und dem Frieden Raum geben.

 

Jagen wir dem Frieden tatsächlich nach, oder reden wir nur darüber? Der Friede hat sich bei uns verflüchtigt, er ist fragil und verletzlich. Was tun wir, um ihn wieder einzuholen, ihn zu suchen? Um ihn zu bewahren, braucht es unsere ganze Kraft und Ausdauer und klare Worte und keine Hasstiraden auf X. Frieden schaffen ist harte Arbeit, die belohnt werden sollte. Die, die nicht weiter verleumden und aufstacheln, sind auf dem richtigen Weg. Damit alle Menschen friedlich und ohne Angst leben können; ein Leben, in dem jeder und jede zu seinem und ihrem Recht kommt.

 

In jedem Jahr wird dafür der Friedensnobelpreis vergeben.

Der Nobelpreis ist eine noble Sache. Er geht auf Alfred Nobel (1833–1896) zurück, der testamentarisch festlegte, dass mit seinem Vermögen eine Stiftung gegründet werden sollte. Die Zinsen sollen diejenigen als Preisgeld bekommen, die in dem zurückliegenden Jahr der Menschheit die größten Erkenntnisse in den Bereichen Physik, Chemie, Physiologie oder Medizin, Literatur und beim Frieden gebracht haben. Auch in diesem Jahr werden wieder Personen oder Institutionen für ihr beispielloses Engagement ausgezeichnet werden. Wie schon gesagt: Der Nobelpreis ist eine noble Sache. Eine Anerkennung für Geleistetes.

 

Wer wird ihn in diesem Jahr zugesprochen bekommen, den Friedensnobelpreis? Ein Staatsmann macht sich in aller Öffentlichkeit Hoffnungen, andere vielleicht eher im stillen Kämmerlein.

 

Je länger ich darüber nachdenke, ist der Friedensnobelpreis 2025 für mich kein Preis, der für politisches Engagement vergeben werden sollte, sondern ein Preis, der denen gilt, die in den Kriegen dieser Tage in der Ukraine, in Gaza und im Sudan dafür sorgen, dass Kinder und Alte überleben und geschützt werden. Es ist für mich ein Preis, der denen gelten sollte, die sich dafür einsetzen, dass die Waffen schweigen, dass Elend und der Hunger enden und Friede einzieht.

 

Der Preis sollte Menschen zugesprochen werden, die nicht vorab kalkulieren, was der Friede für sie und ihr Land bringt, sondern Menschen, die heilen, beschützen und versorgen: Mütter, Väter, Menschen in Hilfsorganisationen, die selbst ihr Leben in Gefahr bringen, um Leben zu erhalten. Sie sind namenlos, sie haben nichts vorzuweisen, sie machen sich sicher keine Gedanken um den Friedensnobelpreis, aber sie sind in meinen Augen nobel.

 

Ihre / eure Birgit Crone