Öko-Info II/2022: Der Umweltausschuss informiert

Über den Direktverkauf von Lebensmitteln

Die landwirtschaftliche Direktvermarktung bietet anders als der anonyme Einkauf im Supermarkt Gelegenheit, mit Landwirt:innen in Kontakt zu kommen und Informationen aus erster Hand darüber zu erhalten, wie und wo die Lebensmittel erzeugt wurden.  Zunehmend bietet nicht nur der regionale Direktverkauf diese Vorteile, auch länderübergreifend gibt es Dank des World-Wide-Webs zunehmend Angebote. Besonders ist dabei die Idee des „Crowdfarmings“. Das Prinzip ist einfach: Man übernimmt eine Patenschaft oder „adoptiert“ z.B. ein Bienenvolk oder einen Baum und erhält dafür den vereinbarten Teil der Ernte über die Saison verteilt direkt vor die Haustür geliefert.

Die Vorteile liegen auf der Hand

Die Erzeugenden können selbst den Verkaufspreis beeinflussen und ohne Zwischenhandel fairere Preise erzielen, das bedeutet auch bessere Arbeits- und soziale Bedingungen für Angestellte und Saisonarbeiter:innen. Die meisten Angebote im Direktverkauf stammen aus kleinen ökologischen Betrieben, hier werden auch unvollkommene Früchte und Gemüse – anders als im Großhandel – verwertet. Produziert wird möglichst nur das, was die Kunden bestellt haben, so entstehen deutlich weniger Lebensmittelabfälle. Da die Anbaugelände in der Regel biologisch betrieben werden, stellen sie für Pflanzen und Tiere einen wichtigen Lebensraum dar. Ferner werden umweltverträgliche Verpackungsarten gewählt. Direktverkauf vermeidet außerdem die Energieverschwendung, die durch die Lagerung der Früchte in Konservierungskammern entsteht, die konservierenden Behandlungen der Schale entfallen. Die Kundschaft verbessert also nicht nur ihre Ernährung durch Zugang zu sehr frischen und saisonalen Produkten, sondern kann auf diese Weise auch einen Teil dazu beitragen, das Klima zu schützen und Biodiversität zu erhalten.

Einen guten Überblick bietet die Plattform https://www.crowdfarming.com Sie bündelt Angebote aus der ganzen Welt, die Landwirte und ihre Projekte werden vorgestellt. Viele Landwirtinnen bieten auch einen persönlichen Besuch ihres landwirtschaftlichen Betriebes oder des adoptierten Baumes an sowie die Möglichkeit, die Patenschaft als Geschenk der besonderen Art an jemand anderen weiterzugeben.  Nachfolgend noch eine weitere Auswahl an Internet-Adressen zu dem Thema:

https:// www.hof-windkind.com    Feld- (Buchweizen, Hafer, Linsen)+Baumpatenschaften
(Walnüsse und Haselnüsse), Nussöle und Olivenöl (Kooperation mit Griechenland)

https://www.naranjasdelcarmen.com         Orangenbaum-, Olivenbaum-+Bienenfamilien-Adoption

https://quieronaranjas.com                    Orangen+Mandarinen aus Spanien (Valencia)+andere Früchte

https://www.jurassicfruit.com               Biofrüchte von 30 Kleinbauern

https://delicado48.com                            Obst und Gemüse aus Spanien

https://www.organicfarming-italy.com       Olivenbaum-Adoption

Öko-Info I/2022: Der Umweltausschuss informiert

Eine Corona-Wildblumenwiese 

Erste Schritte

Anstelle einer Urlaubsreise in Coronazeiten entstand die Idee zur Anlage einer Wildblumenwiese. Für diese reichen schon einige Quadratmeter Rasenfläche im Garten oder am Gemeindehaus für einen ersten Versuch. Je größer die Fläche und je mehr Brennnesseln und andere Futterpflanzen, z.B. für Raupen, in der Nähe sind, desto besser für die Insektenwelt.  

Obwohl recht mühsam, sollte die Grasnarbe mit Wurzeln vorher etwa 5 cm dick abgetragen werden. Alle Keimlinge, die in den folgenden zwei bis drei Wochen nachwachsen, müssen weg. Etwas Sand in der obersten Bodenschicht lockert den Boden auf und macht ihn nährstoffärmer, was gut für viele Wildblumen und Insekten ist. Wird der Boden nur umgepflügt oder umgegraben, bleiben Unkräuter und Gras im Boden und gewinnen oft später wieder die Oberhand.

Das Saatgut

An die jeweiligen Standorte angepasste, einheimische Saatgut-Mischungen gibt es z.B. hier: https://www.rieger-hofmann.de/alles-ueber-rieger-hofmann.html https://www.syringa-pflanzen.de/blumenwiesen-saatgut.html Hier finden sich auch ausführliche Anleitungen und professionelle Hilfsmittel, wenn große Flächen bearbeitet werden sollen.

Das Saatgut wird verteilt, festgeklopft oder gewalzt und mit geeigneten Netzen gegen Vögel gesichert, die gerne die frische Saat verspeisen würden.  Die Netze müssen regelmäßig auf Vögel oder Amphibien, die sich verfangen haben, kontrolliert werden. Falls es nach der Saat im August/September oder im Frühjahr nicht regelmäßig regnet, sollte man einige Wochen regelmäßig die Fläche abends bewässern. Bei einer Aussaat im September kommen die meisten Pflanzen erst im Folgejahr. Auch externe Pflanzen siedeln sich an, wenn die Bedingungen gut sind. Detaillierte weitere Informationen finden sich z.B. beim NABU: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/grundlagen/elemente/22377.html https://baden-wuerttemberg.nabu.de/natur-und-landschaft/aktionen-und-projekte/bluehendeGaerten/27785.html

Die Früchte der Arbeit

Bei unserer 35 qm-Corona-Wildblumenwiese, gesät im September 2020, wuchsen im folgenden Sommer Königskerze, Margerite, Kornblume, Mohn, Wilde Möhre, Pimpinelle, Heidenelke und Flockenblumen. Verschiedenste Wildbienen, Schwebfliegen, Schmetterlinge, Libellen, Wanzen, Käfer und Spinnen fühlten sich in dieser bunten „Wildnis“ sehr wohl. Den ganzen Sommer blühte etwas, und die gesamte Vielfalt im Vergleich zum Rasen daneben war erquickend, auch für Nicht-Botaniker und Nicht-Gärtner. Der kleine, 0,75 qm Mini-Teich neben der Blumenwiese reichte schon aus, um dort z.B. 6 verschiedene Libellenarten anzulocken (Groß- und Kleinlibellen).

Gemäht wurde die Wiese im ersten Jahr einmal Ende August, um alle Pflanzen einmal blühen zu lassen. Mangels eigener Sense kam eine elektrische Heckenschere für einen Vorschnitt auf 10 bis 15 cm zum Einsatz. Der Feinschnitt erfolgte mit dem elektrischen Rasenmäher, auf höchste Schnittstufe gestellt und zusätzlich leicht gekippt auf 2 Rädern auf einer Achse über die Wiese gemäht. In den Folgejahren muss zweimal pro Sommer gemäht werden. Wird die Mahd regelmäßig entfernt, sinkt die Nährstoffintensität, der Boden magert ab, wird wertvoller und der Bewuchs vielfältiger.

Die Fläche aller Privatgärten in Deutschland ist nur etwas kleiner als alle Naturschutzgebiete, d.h. das Potential zur Schaffung von lokalem „Wohnraum“ für Insekten, welches dem Artensterben entgegenwirkt, gelingt auch teils schon auf kleinen Flächen.  Im Privatgarten sind neben der Wildblumenwiese, dem Brennnesselfeld und dem Totholzhaufen weitere Maßnahmen möglich. Eine Literaturempfehlung dazu: „Das große Insektensterben“ oekom-Verlag. Wenn Obstbäume im Frühling im Garten blühen, gibt es genügend Wildbienen und Co., die für eine reiche Apfelernte die notwendige Arbeit leisten.

Martin Schinke, Kirchengemeinde Bredenscheid-Sprockhövel